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Bilder - Philosophie

Menschen

Gibt es etwas interessanteres als interessante Menschen?

 


Louise Bourgeois

Ölfarbe auf Leinwand, 50 x 70 cm, 2017

"Sie arbeitet mit Stoff, Latex, Gips, Zement und Marmor. Und sie zeichnet voll Humor ihre Gefühle und Zwiespälte mit roter Farbe und schwarzer Kreide nieder. Höchst autobiografisch verbindet Louise Bourgeois ihre inneren Bilder mit organischen Formen und psychologischen Prozessen, die sie szenisch umsetzt: drei weibliche Büsten hängen über zwei großen Kugeln in einem Käfig. Sie nennt die Installation von 2001: „Blick in die Welt einer eifersüchtigen Ehefrau“. Ihre Enttäuschung über ihren Vater ist der zentrale Motor ihrer Kunst. „Ich war die dritte Tochter eines Mannes, der einen Sohn wollte.“ Und dieser Mann unterhielt über zehn Jahre ein sexuelles Verhältnis mit ihrer Erzieherin. „Ich musste vor der Geliebten, die bei uns wohnte, blind sein. Ich musste gegenüber dem Schmerz meiner Mutter blind sein. Ich musste gegenüber der Tatsache blind sein, dass ich meinen Bruder ein bisschen sadistisch behandelte. Ich war blind gegenüber der Tatsache, dass meine Schwester mit dem Mann auf der anderen Straßenseite ein Verhältnis hatte.“ Die Kunst Louise Bourgeois ist ihr zum Mittel geworden, Tod und Sex als Bedrohung zu bannen. Um den Verlust des Frauseins, um sexuelle Fantasien, um verdrängte Bilder der Schmach vor dem Hintergrund einer Kindheit, die sich im elterlichen Tapisseriebetrieb mit Nadeln und Fäden, Stoffbahnen und Spindeln wie in einem surrealen Film abspulte, davon nährt sich ihr ganzes, mit allen Konventionen der Nachkriegskunst gebrochenes Werk." (aus: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/documenta-teilnehmerin-wenn-tod-und-sex-eins-sind-die-bildhauerin-louise-bourgeois-171943.html)


Obdachloser

Ölfarbe auf Sperrholz, 50 x 70 cm, 2018

(Nach einem Schwarz-Weiß-Bild aus der Zeitung "der Freitag")



Alfred Hrdlicka

Ölfarbe auf Leinwand, 50 x 70 cm, (2018), Version2 2019

1985 bekam Hrdlicka das Angebot, eine Bildhauerklasse an der HdK Berlin zu übernehmen. Der Rektor Prof. Klaus Fußmann verlangte Expertisen über die Tätigkeit des längst weltbekannten Künstlers. Darauf schickte ihm Hrdlicka einen Brief und vier Gutachten, wobei eines von ihm selbst war und eins von seiner Frau. Beide sollen hier zitiert werden (nach Hans-Dieter Schütt, Alfred Hrdlicka, Stein Zeit Mensch, 2008 Berlin S. 59 f.)

Seine Frau schreibt: "Das Gutachten fällt mir nicht leicht. Ich liebe Alfred Hrdlicka schon seit Jahren. Er ist reizbar und aufbrausend, dabei aber rührend und fürsorglich. Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass er oft schon vormittags total betrunken ist und daher kaum in der Lage sein wird, seine Lehrtätigkeit zu Ihrer Zufriedenheit, sehr geehrter Herr Professor Fußmann auszuüben". 

Hrdlicka selbst schrieb unter der Überschrift "Exbertise":

"Alfred Hrdlicka? He´s wonderful and Marvelous!!! Zu Hrdlickas bemerkenswertester künstlerischer Eigenart zählt seine eigenwillige Technik mit dem Hammer nicht direkt auf den Stone zu schlagen, sonder ein Eisen dazwischen zu halten, was sich Meisels nennt, was aber zu keiner Verwechslung mit dem bekannten Schauspieler aus München führen soll, es handelt sich nur um Namensähnlichkeit. Was den künstlerischen Rang anlangt, würde ich Alfred Hrdlicka in einen Reihen mit den wichtigsten Artisten der alten und der neuen World: Lionardo, Michelangelo, Columbus, Columbo, Fußmann, Picasso und Adolf Hitler stellen. Sein pädagogischer Eros steht außer Zweifel, wie Studenten beiderlei Geschlechts ihn beurkunden können. Safty first und ein Goldenes neues Jar!

Direktor Dr. Donald Duck, Museum of Modern Art, New York (nach Diktat fristlos entlassen)

Nachdem Auszüge dieser "Gutachten" im Spiegel veröffentlicht wurden, trat Prof. Fußmann als Rektor zurück; Alfred Hrdlicka wurde Professor in Berlin.